Europäische Aufrüstung als Investitionschance
Die europäische Verteidigungsindustrie steckt in einer Wachstumsphase, für die es in der Nachkriegszeit kein Vorbild gibt. Geopolitischer Druck, dauerhaft angespannte Beziehungen zu Russland und eine veränderte Rollenverteilung im transatlantischen Verhältnis treffen zusammen. Europa muss sich zunehmend auf eigene Rüstungskapazitäten verlassen.
Der Anstoß dafür kam aus Washington. Die Forderung, dass europäische Staaten deutlich mehr für ihre eigene Sicherheit ausgeben, ist über mehrere US-Regierungen hinweg lauter geworden und hat sich zuletzt mit Handelskonflikten überlagert. In europäischen Hauptstädten hat das die Argumente für strategische Autonomie gestärkt.
Dazu kommt eine Lehre aus den letzten Jahren. Störungen in den Lieferketten während der Pandemie und des Krieges in der Ukraine haben gezeigt, wie verwundbar die Abhängigkeit von weit entfernten Zulieferern ist. Bei Munition, Waffensystemen und Verteidigungstechnik ist die Verlagerung der Produktion nach Europa deshalb nicht mehr nur eine wirtschaftliche Frage.
Für Anleger entsteht daraus eine ungewöhnliche Konstellation. Amerikanische Konzerne werden den Weltmarkt weiter dominieren, aber die europäischen Hersteller haben mehr Nachholbedarf zu bedienen. Es geht dabei nicht um einen Trend über zwei Quartale, sondern um einen Umbau der europäischen Sicherheitsarchitektur, der über ein Jahrzehnt läuft.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Investitionen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden. Vor jeder Anlageentscheidung empfehlen wir, eine eigene Analyse durchzuführen und gegebenenfalls einen Finanzberater zu konsultieren.
Was den Verteidigungssektor antreibt
Europa hat seine Streitkräfte über drei Jahrzehnte hinweg kaputtgespart. Das ist kein Vorwurf, sondern eine schlichte Beschreibung der Haushaltszahlen. Genau daraus entsteht der Nachholbedarf, von dem die Branche heute lebt.
Von zwei auf fünf Prozent
Das alte NATO-Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung galt jahrelang als ambitioniert und wurde von der Mehrheit der Mitglieder trotzdem nicht erreicht. Diese Marke ist inzwischen überholt. Auf dem Gipfel in Den Haag im Juni 2025 haben sich die Bündnispartner auf ein deutlich höheres Ziel verständigt.
Vorgesehen sind fünf Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2035, aufgeteilt in dreieinhalb Prozent für Kernaufgaben der Verteidigung und anderthalb Prozent für verteidigungsrelevante Infrastruktur. Das ist eine Größenordnung, die Beschaffungspläne für ein Jahrzehnt vorzeichnet.
Deutschland hat parallel dazu die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben oberhalb eines Prozents der Wirtschaftsleistung gelockert. Bereits 2022 war ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro beschlossen worden. Beides zusammen verändert die Planungssicherheit der Hersteller grundlegend.
Die Zahlen aus Den Haag sind Zielwerte für 2035, keine gebuchten Aufträge. Ob und wie schnell die einzelnen Staaten sie umsetzen, entscheidet sich in nationalen Haushalten. Genau an dieser Stelle liegt das größte Risiko für den ganzen Investmentgedanken.
Alte Technik und leere Lager
Der zweite Treiber ist unspektakulärer, aber verlässlicher. Viele europäische Armeen fahren Technik aus der Zeit des Kalten Krieges, die ohnehin ersetzt werden müsste. Ein Panzer oder ein Radar hat eine begrenzte Lebensdauer, unabhängig von der politischen Lage.
Der Krieg in der Ukraine hat außerdem offengelegt, wie dünn die Munitionsvorräte europäischer Streitkräfte tatsächlich waren. Artilleriemunition, Flugabwehrlenkkörper und Ersatzteile lassen sich nicht kurzfristig aus dem Regal nehmen. Der Aufbau von Produktionslinien dauert Jahre.
Und das ist für Anleger der interessantere Punkt. Munition ist ein Verbrauchsgut mit wiederkehrender Nachfrage. Ein Kampfjet wird einmal verkauft, eine Granate wird verschossen.
Der Auftragsbestand, im Branchenjargon Backlog, ist die Summe aller fest bestellten, aber noch nicht gelieferten Aufträge. Im Rüstungsgeschäft ist er die wichtigste Kennzahl überhaupt, weil er Umsätze mehrere Jahre im Voraus sichtbar macht. Beachten Sie dabei das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz. Liegt es dauerhaft über eins, wächst das Polster, liegt es darunter, schrumpft es.
Investitionsmöglichkeiten im Verteidigungssektor
Bevor wir zu den einzelnen Titeln kommen, eine Vorbemerkung zu den Zahlen. Marktkapitalisierungen, Kurs-Gewinn-Verhältnisse und prozentuale Kursgewinne verändern sich täglich. Wir nennen sie deshalb bewusst nicht.
Was in einem Artikel steht, ist im Zweifel Monate alt. Was in Ihrem Depot steht, ist aktuell. Für die Einordnung, ob ein Titel teuer oder günstig ist, brauchen Sie ohnehin den heutigen Wert und nicht den von vorgestern.
Europäische Rüstungsunternehmen
1. Rheinmetall (RHM.DE) – Deutschland
Rheinmetall ist die auffälligste Wachstumsgeschichte des Sektors. Das Unternehmen aus Düsseldorf war vor 2022 in erster Linie ein Automobilzulieferer mit einem Rüstungsgeschäft daneben. Heute ist es umgekehrt, und der Konzern gehört zu den größeren Werten im DAX.
Der Schwerpunkt liegt auf Munition und gepanzerten Fahrzeugen, also genau auf den Produkten, die europäische Staaten dringend brauchen. Rheinmetall hat in den vergangenen Jahren neue Munitionsfabriken in Deutschland und Osteuropa hochgezogen und sein Geschäft zuletzt auch in Richtung Marineschiffbau erweitert.
Schlüsselmärkte: Deutschland, weitere europäische NATO-Staaten, Australien, USA, Asien
Die Umsatzzuwächse lagen in den Jahren nach 2022 im hohen zweistelligen Prozentbereich, was für die Branche außergewöhnlich ist. Dieses Tempo lässt sich nicht beliebig fortschreiben. Irgendwann sind die dringendsten Lücken gefüllt, und die Wachstumsraten normalisieren sich.
Ein Punkt, der bei Rheinmetall gern untergeht: Der Konzern hat bewiesen, dass er Produktion schneller hochfahren kann als die meisten amerikanischen Wettbewerber. In einer Phase akuter Knappheit ist das ein echter Vorteil.
Stärken:
- Führender europäischer Hersteller von Munition und gepanzerten Fahrzeugen.
- Direkter Nutznießer der deutschen Entscheidung, die Verteidigungsausgaben dauerhaft anzuheben.
- Nachgewiesene Fähigkeit, Produktionskapazitäten in kurzer Zeit auszubauen.
- Breite Expansion mit neuen Werken in Europa und Beteiligungen außerhalb des Kontinents.
- Munition als Verbrauchsgut sorgt für wiederkehrende statt einmalige Umsätze.
Risiken:
- Sehr hohe Bewertung, die den Druck erzeugt, außergewöhnliches Wachstum auch zu liefern.
- Mögliche Verlangsamung, sobald die dringendsten Bedürfnisse gedeckt sind.
- Starke Abhängigkeit von politischen Entscheidungen in Berlin.
- Harter Wettbewerb im Fahrzeugsegment durch etablierte globale Hersteller.
- Bei schnellem Ausbau drohen Engpässe und Verzögerungen bei Lieferterminen.
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2. BAE Systems (BA.L) – Großbritannien
BAE Systems ist gemessen am Umsatz das größte europäische Rüstungsunternehmen. Die Aktie hat sich seit 2022 solide entwickelt, allerdings weniger dramatisch als bei einigen kontinentalen Wettbewerbern. Das hat einen einfachen Grund: BAE war schon vorher groß und profitabel.
Schlüsselmärkte: USA, Großbritannien, Saudi-Arabien, Australien, weitere europäische Länder
Die Stärke liegt im ungewöhnlich breiten Portfolio, das Luftfahrt, Marine, Landsysteme und Elektronik umfasst. Besonders stark ist das Unternehmen bei elektronischen Systemen und Cybersicherheit, also in Bereichen, die in der modernen Kriegsführung an Gewicht gewinnen.
Bemerkenswert ist der hohe US-Anteil am Geschäft. BAE ist über seine amerikanische Tochter einer der wenigen europäischen Konzerne mit direktem Zugang zum größten Verteidigungshaushalt der Welt. Dazu kommt die Beteiligung am F-35-Programm als bedeutender Komponentenlieferant.
Beim Test der Depots ist mir aufgefallen, dass BAE bei vielen deutschen Brokern in London und in Pfund gehandelt wird. Das bringt Wechselkurseffekte mit sich, an die viele Anleger beim Kauf gar nicht denken.
Stärken:
- Größtes europäisches Rüstungsunternehmen mit sehr breit aufgestelltem Portfolio.
- Starke Position bei elektronischen Systemen und Cybersicherheit.
- Solides, gut planbares Umsatzwachstum ohne die Ausschläge der Konkurrenz.
- Beteiligung am F-35-Programm sichert langfristige Einnahmen.
- Enge Verbindungen zu britischen und amerikanischen Streitkräften.
Risiken:
- Komplexe Lieferketten können zu Verzögerungen und höheren Projektkosten führen.
- Strenge britische Exportvorschriften schließen einige lukrative Aufträge aus.
- Weniger aggressives Wachstum als bei kontinentalen Wettbewerbern.
- Währungsrisiko für Anleger aus dem Euroraum.
- Starker Wettbewerb in allen Segmenten durch Spezialisten und Konglomerate.
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3. Colt CZ Group – Tschechische Republik
Die frühere Ceska Zbrojovka firmiert seit 2022 als Colt CZ Group SE. Für Anleger, die einen kleineren, aber beweglichen Wert im Sektor suchen, ist das eine interessante Adresse. Die Aktie notiert in Prag, weshalb Sie bei Ihrem Broker gezielt nach dem vollständigen Firmennamen und der ISIN suchen sollten.
Schlüsselmärkte: USA, Tschechische Republik, weitere EU-Länder, Asien, Naher Osten
Die Übernahme der amerikanischen Traditionsmarke Colt im Jahr 2021 hat die Position auf dem größten Waffenmarkt der Welt deutlich gestärkt. Ebenso wichtig war der Kauf des Munitionsherstellers Sellier & Bellot im Jahr 2024. Damit deckt die Gruppe neben Handfeuerwaffen auch Munition ab, und genau dort liegt derzeit die stabilere Nachfrage.
Der zivile Markt in den USA macht einen erheblichen Teil des Geschäfts aus. Das ist Chance und Risiko zugleich, denn dieser Markt reagiert stark auf politische Debatten und läuft nicht im Gleichtakt mit staatlichen Beschaffungsprogrammen.
Übrigens: Colt CZ ist nicht zu verwechseln mit der Czechoslovak Group, die im deutschsprachigen Raum ebenfalls oft genannt wird. Wie es dort mit einer Beteiligung aussieht, haben wir im Text über CSG-Aktien beschrieben.
Stärken:
- Eigentümer der Marke Colt mit starkem Standbein auf dem US-Markt.
- Munitionsgeschäft durch die Übernahme von Sellier & Bellot deutlich ausgebaut.
- Überdurchschnittliches Umsatzwachstum in den Jahren nach 2022.
- Geringe Größe erlaubt mehr Beweglichkeit und weitere Zukäufe.
- Lange Tradition und guter Ruf im Bereich Handfeuerwaffen.
Risiken:
- Deutlich geringere Kapitalkraft als die Riesen der Branche.
- Handfeuerwaffen bedeuten in der Regel kleinere Aufträge als schweres Gerät.
- Strengere Waffenregulierung auf dem zivilen Markt würde spürbar treffen.
- Verschuldung nach den Zukäufen schränkt die Flexibilität ein.
- Geringere Handelsliquidität als bei den westeuropäischen Werten.
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4. Thales Group (HO.PA) – Frankreich
Thales ist der französische Technologieführer im Sektor. Der Schwerpunkt liegt nicht auf Stahl und Munition, sondern auf Radaren, Kommunikationstechnik, Satellitensystemen und Cybersicherheit. In einem Konflikt, in dem Aufklärung und Datenverarbeitung über Erfolg entscheiden, ist das eine gute Ausgangslage.
Schlüsselmärkte: Frankreich, weitere EU-Länder, Naher Osten, Asien-Pazifik, USA
Anders als klassische Rüstungskonzerne hat Thales einen erheblichen Teil des Geschäfts außerhalb des Militärs. Zivile Luftfahrt, Verkehrsinfrastruktur und digitale Identität sorgen dafür, dass nicht alles an Verteidigungshaushalten hängt. Diese Mischung dämpft die Ausschläge in beide Richtungen.
Die Bewertung gehört zu den höheren im Sektor. Das ist der Preis für ein Technologieprofil, in dem der Markt mehr langfristiges Wachstum vermutet. Ob diese Erwartung aufgeht, lässt sich mit Sicherheit nicht beurteilen.
Stärken:
- Technologischer Vorsprung bei Sensorik, Radar und sicherer Kommunikation.
- Sehr starke Position in der Cybersicherheit und der elektronischen Kampfführung.
- Erhebliche Investitionen in künstliche Intelligenz und autonome Systeme.
- Ziviles Geschäft verringert die Abhängigkeit von Verteidigungsbudgets.
- Strategische Partnerschaften mit anderen europäischen Herstellern.
Risiken:
- Hohe Bewertung erhöht das Rückschlagpotenzial bei enttäuschenden Zahlen.
- Als Technologiekonzern ein bevorzugtes Ziel für Cyberangriffe.
- Komplexe Systemintegration führt regelmäßig zu Projektverzögerungen.
- Wachsender Wettbewerb durch spezialisierte Technologieanbieter.
- Abhängigkeit vom französischen Staat als Kunde und Exportförderer.
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5. Leonardo (LDO.MI) – Italien
Leonardo ist der italienische Schwergewichtler mit einem bemerkenswert breiten Portfolio. Der Konzern gehört zu den größten Hubschrauberherstellern der Welt, und das ist in einer Phase, in der viele Armeen ihre Luftfahrtkapazitäten erneuern, ein solides Fundament.
Schlüsselmärkte: weitere EU-Länder, USA, Italien, Großbritannien, Naher Osten
Neben Hubschraubern deckt Leonardo elektronische Systeme, Marinetechnik und Weltraumtechnologien ab. Das Unternehmen ist außerdem am europäischen Kampfflugzeugprogramm der nächsten Generation beteiligt, gemeinsam mit Partnern aus Großbritannien und Japan. Solche Programme laufen über Jahrzehnte.
Die Bewertung liegt im Sektorvergleich eher im moderaten Bereich, was Leonardo für vorsichtigere Anleger interessant macht. Das hat allerdings einen Grund. Der Konzern hatte historisch Probleme mit Projektsteuerung und Budgettreue, und der italienische Staat redet als Großaktionär mit.
Stärken:
- Einer der größten Hubschrauberhersteller der Welt.
- Breites Portfolio aus Luftfahrt, Elektronik, Marinetechnik und Raumfahrt.
- Beteiligung an einem europäischen Kampfflugzeugprogramm mit sehr langem Horizont.
- Starke Stellung im Mittelmeerraum und in wachsenden Märkten Asiens.
- Im Sektorvergleich moderatere Bewertung.
Risiken:
- Schwächere Präsenz auf dem amerikanischen Markt als einige Wettbewerber.
- Historische Schwierigkeiten mit Projekteffizienz und Budgetüberschreitungen.
- Starke Abhängigkeit von europäischen Aufträgen.
- Bedeutender staatlicher Einfluss auf strategische Entscheidungen.
- Exportbeschränkungen in einige Regionen aus politischen Gründen.
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6. Saab (SAAB-B.ST) – Schweden
Saab ist kleiner als die genannten Konzerne, technologisch aber ganz vorn. Der Kurs hat seit 2022 stark zugelegt, was mit der veränderten Sicherheitslage in Skandinavien und dem NATO-Beitritt Schwedens im März 2024 zusammenhängt.
Schlüsselmärkte: Schweden, weitere nordeuropäische Länder, weitere EU-Länder, Asien, Brasilien
Bekannt ist das Unternehmen vor allem für den Kampfjet Gripen, der als günstigere Alternative zur amerikanischen F-35 gilt. Für Länder mit begrenzten Budgets, die trotzdem moderne Luftstreitkräfte wollen, ist das ein starkes Argument. Der NATO-Beitritt erleichtert zusätzlich den Verkauf an Bündnispartner.
Weniger bekannt, aber mindestens ebenso wichtig ist die Position bei Radarsystemen, Luftabwehr und unbemannten Systemen. Hier spielt Saab in der ersten Reihe mit. Der Haken liegt bei den Kapazitäten, denn ein Unternehmen dieser Größe kann nicht beliebig viele Aufträge gleichzeitig abarbeiten.
Stärken:
- Hersteller des Kampfjets Gripen als kostengünstigere Alternative zur F-35.
- Der NATO-Beitritt Schwedens erweitert die Absatzmöglichkeiten erheblich.
- Kräftiges Umsatzwachstum in den Jahren nach 2022.
- Technologische Spitzenstellung bei Radarsystemen.
- Starke Position bei Marinesystemen, Luftabwehr und unbemannten Technologien.
Risiken:
- Begrenzte Produktionskapazitäten im Vergleich zu größeren Wettbewerbern.
- Starke amerikanische Konkurrenz mit politischer Rückendeckung beim Export.
- Hohe Abhängigkeit vom schwedischen Staat als Hauptkunden.
- Ambitionierte Bewertung erzeugt Druck auf die kommenden Jahre.
- Währungsrisiko durch die Notierung in schwedischen Kronen.
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Rüstungsunternehmen außerhalb Europas
1. Lockheed Martin (LMT) – USA

Lockheed Martin ist der größte Rüstungskonzern der Welt. Die Aktie hat sich seit 2022 deutlich zurückhaltender entwickelt als die europäischen Werte, was schlicht daran liegt, dass Lockheed schon vorher hoch bewertet und groß war. Es gab wenig Nachholbedarf.
Das Portfolio umfasst Schlüsselsysteme, die das Rückgrat westlicher Armeen bilden. Der F-35 ist das teuerste Rüstungsprogramm der Geschichte. HIMARS und Javelin haben ihre Wirksamkeit in der Ukraine gezeigt, was die Nachfrage stark angehoben hat.
Der Auftragsbestand liegt im dreistelligen Milliardenbereich und sichert Umsätze für Jahre. Dazu kommen hohe Margen und ein stabiler Mittelzufluss, der eine großzügige Dividendenpolitik und laufende Aktienrückkäufe trägt. Wer im Sektor eher Ruhe als Tempo sucht, landet fast automatisch hier.
Ich muss zugeben, dass mich die Kursentwicklung von Lockheed über die vergangenen Jahre überrascht hat. Die Nachrichtenlage sprach durchgehend für den Konzern, der Kurs hat davon vergleichsweise wenig mitgenommen. Ein guter Beleg dafür, dass Schlagzeilen und Aktienkurse zwei verschiedene Dinge sind.
Stärken:
- Größter Rüstungskonzern der Welt mit dominanter Marktstellung.
- Hersteller von F-35, HIMARS und Javelin mit nachgewiesener Wirksamkeit.
- Sehr hoher Auftragsbestand, der langfristige Einnahmen absichert.
- Hohe Margen und stabiler Cashflow für eine verlässliche Dividende.
- Breites Portfolio von Luftfahrt über Raketen bis zu Raumfahrt und Cybersicherheit.
Risiken:
- Langsames Umsatzwachstum, weil sich die Produktion komplexer Systeme kaum schnell hochfahren lässt.
- Kürzungen im US-Haushalt könnten einzelne Schlüsselprogramme treffen.
- Der hohe Systempreis begrenzt den Verkauf an Länder mit kleinen Budgets.
- Drohnen und asymmetrische Waffen könnten klassische Großsysteme entwerten.
- Abhängigkeit von politischen Entscheidungen in Washington.
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Die sieben Titel im Überblick
| Unternehmen | Land und Börse | Schwerpunkt | Profil |
|---|---|---|---|
| Rheinmetall | Deutschland, Frankfurt | Munition, gepanzerte Fahrzeuge | aggressives Wachstum, hohe Bewertung |
| BAE Systems | Großbritannien, London | Luftfahrt, Marine, Elektronik | breit aufgestellt, ausgewogen |
| Colt CZ Group | Tschechische Republik, Prag | Handfeuerwaffen, Munition | kleiner Wert, geringere Liquidität |
| Thales | Frankreich, Paris | Radar, Cybersicherheit, Raumfahrt | Technologieprofil, hohe Bewertung |
| Leonardo | Italien, Mailand | Hubschrauber, Elektronik, Marine | moderater bewertet, staatlicher Einfluss |
| Saab | Schweden, Stockholm | Kampfjets, Radar, Luftabwehr | hohes Tempo, begrenzte Kapazität |
| Lockheed Martin | USA, New York | Kampfjets, Raketensysteme | konservativ, dividendenstark |
Die Angaben zum Handelsplatz sind die jeweilige Heimatbörse. Über deutsche Broker können Sie mehrere dieser Titel auch in Frankfurt handeln, dann allerdings oft mit geringeren Umsätzen und breiteren Spannen zwischen An- und Verkaufskurs.
ETF mit Fokus auf die Verteidigungsindustrie
Wer lieber breit in den Sektor investiert, statt einzelne Aktien auszuwählen, findet bei XTB mehrere börsengehandelte Fonds auf die Verteidigungsindustrie. Ein einziger Kauf reicht dann für ein diversifiziertes Engagement, und das Risiko einer falschen Einzelauswahl fällt weg.
Bevor wir die drei Ansätze durchgehen, ein Wort zur Vorsicht. Fondskürzel sind kein verlässliches Erkennungsmerkmal. Dasselbe Kürzel kann an verschiedenen Börsen für völlig verschiedene Produkte stehen, und ein Fonds kann an mehreren Handelsplätzen unterschiedliche Kürzel tragen.
Die einzige eindeutige Kennung ist die ISIN in Kombination mit dem vollständigen Fondsnamen. Nehmen Sie sich die halbe Minute, das im Suchfeld Ihres Brokers zu prüfen. Wir kennen genug Fälle, in denen jemand ein anderes Produkt im Depot hatte als geplant.
Ein konkretes Beispiel für diese Falle: Unter dem Kürzel DFEN wird in Europa ein Fonds auf einen globalen Verteidigungsindex gehandelt, in den USA dagegen ein dreifach gehebeltes Produkt auf amerikanische Luftfahrt- und Rüstungswerte. Das sind völlig unterschiedliche Risikoprofile. Prüfen Sie vor dem Kauf immer die ISIN, nicht nur das Kürzel.
Fonds auf den EQM Future of Defense Index
Dieser thesaurierende Fonds wird an der deutschen Börse gehandelt und bildet einen Index ab, der Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie einschließlich Cybersicherheit umfasst. Er gehört zu den größeren europäischen Produkten dieser Art.
Die schwersten Positionen stammen typischerweise aus dem Kreis der europäischen Hersteller, also Rheinmetall, BAE Systems, Thales, Leonardo und Saab. Die genauen Gewichte verschieben sich mit jeder Indexanpassung, weshalb wir hier keine Prozentzahlen nennen. Im Factsheet des Anbieters finden Sie den aktuellen Stand.
Für wen eignet sich dieser Ansatz? Vor allem für Anleger, die gezielt auf die europäische Aufrüstung setzen wollen und die Auswahl der Einzeltitel lieber dem Index überlassen.
74 % der CFD-Kleinanlegerkonten verlieren Geld.
Fonds auf den MarketVector Global Defense Industry Index
Der zweite Ansatz folgt einem global ausgerichteten Verteidigungsindex und konzentriert sich auf Unternehmen mit erheblichen militärischen oder verteidigungsnahen Umsätzen. Die Zusammensetzung ist breiter international als beim ersten Fonds.
Auffällig ist, dass in diesem Index auch Datenanalyse- und Softwareanbieter vertreten sind, nicht nur klassische Hersteller. Damit bekommen Sie ein Stück Technologiewette dazu, was die Schwankungen des Fonds erhöhen kann.
Die laufenden Kosten liegen bei diesen Verteidigungsfonds grob in einer Spanne von vier bis sechs Zehnteln Prozent pro Jahr. Der genaue Wert steht im Basisinformationsblatt und ändert sich gelegentlich.
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ITA.US – U.S. Aerospace & Defense ETF
Wer lieber auf die amerikanische statt auf die europäische Verteidigungsindustrie setzt, findet mit dem Fonds ITA einen der ältesten und liquidesten Vertreter im Sektor. Er bildet die Wertentwicklung amerikanischer Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen ab.
In den größten Positionen finden sich Namen wie RTX, Lockheed Martin, General Dynamics, Northrop Grumman und Boeing. Auch hier gilt: Die Gewichte ändern sich laufend, der aktuelle Stand steht beim Anbieter.
Die laufenden Kosten sind niedriger als bei den europäischen Produkten. Historisch hat sich dieser Fonds ruhiger entwickelt als die europäischen Pendants, was den stabileren Charakter der amerikanischen Branche widerspiegelt. Eine Aussage über die Zukunft ist das nicht.
Beachten Sie außerdem, dass US-Fonds für Privatanleger in der EU wegen der Vorgaben zum Basisinformationsblatt nicht immer frei handelbar sind. Ob und wie Sie Zugang bekommen, hängt vom Broker und Ihrer Einstufung ab.
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Erstellung eines eigenen „ETF“
Eine Alternative zum fertigen Fonds ist ein selbst gebautes Portfolio aus Rüstungsaktien. Über Bruchteilsrechte, die mehrere Broker anbieten, geht das auch mit kleinen Beträgen. Der Ansatz erlaubt Ihnen:
- Die Gewichtung einzelner Unternehmen frei nach eigenen Vorstellungen zu setzen.
- Die laufenden Verwaltungskosten eines Fonds zu sparen.
- Gezielt auf einzelne Segmente zu setzen, etwa nur Munition oder nur Luftfahrt.
- Europäische und amerikanische Werte in einem selbst gewählten Verhältnis zu mischen.
Der Preis dafür ist Arbeit. Sie müssen selbst nachjustieren, selbst über Zukäufe entscheiden und die Titel im Blick behalten. Ein Fonds erledigt das für seine Gebühr.
Angenommen, Sie wollen 700 Euro gleichmäßig auf die sieben oben genannten Titel verteilen. Über Bruchteilsrechte wären das je 100 Euro pro Position. Ohne diese Möglichkeit müssten Sie bei mehreren Werten deutlich mehr einsetzen oder Titel weglassen. Rechnen Sie allerdings die Ordergebühren mit. Sieben Einzelkäufe kosten bei manchen Brokern mehr als ein einziger Fondskauf, und bei Auslandsbörsen kommen Fremdkostenpauschalen dazu.
Rüstungsaktien und Nachhaltigkeit
Ein Thema, das in deutschen Depots regelmäßig aufkommt und in vielen Artikeln fehlt. Rüstungswerte galten lange als unvereinbar mit nachhaltiger Geldanlage, viele Fonds haben den Sektor pauschal ausgeschlossen.
Seit 2022 hat sich diese Sicht verschoben, weil Verteidigungsfähigkeit zunehmend als Voraussetzung für alles andere gilt. Mehrere Anbieter haben ihre Ausschlusskriterien gelockert. Unverändert geblieben ist die Ächtung kontroverser Waffen wie Streumunition, Antipersonenminen sowie atomarer, biologischer und chemischer Waffen.
Für Sie heißt das konkret: Wenn Sie einen Fonds mit Nachhaltigkeitsanspruch besitzen, kann darin durchaus ein Rüstungswert stecken. Und wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie in die Anlagerichtlinien schauen. Das ist eher unser subjektiver Eindruck, aber wir halten die pauschale Ablehnung des Sektors für weniger tragfähig, als sie noch vor einigen Jahren wirkte.
Steuern auf Rüstungsaktien in Deutschland
Kursgewinne und Dividenden aus Aktien unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungsteuer, dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags bleiben Kapitalerträge steuerfrei, wenn Sie bei Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag eingerichtet haben.
Bei diesem Sektor ist die Sache unbequemer als sonst, weil die Titel über mehrere Länder verteilt sind. Auf Dividenden aus Frankreich, Italien und Schweden fällt Quellensteuer im Sitzland an, die je nach Doppelbesteuerungsabkommen teils angerechnet und teils nur auf Antrag erstattet wird. Britische Dividenden sind in dieser Hinsicht am einfachsten, weil Großbritannien keine Quellensteuer auf Dividenden erhebt.
Ob Ihr Broker die deutsche Steuer direkt einbehält, hängt davon ab, ob er hierzulande als Abzugsverpflichteter auftritt. Bei ausländischen Anbietern erklären Sie Ihre Erträge in der Regel selbst in der Anlage KAP. Konkrete Sätze und Fristen nennen wir bewusst nicht, denn sie ändern sich, und Ihre persönliche Lage weicht ohnehin ab.
Diese Ausführungen sind eine allgemeine Orientierung und keine Steuerberatung. Steuersätze, Freibeträge, Erstattungsverfahren und Meldepflichten ändern sich, gerade bei ausländischen Dividenden. Lassen Sie Ihren konkreten Fall vor dem Investieren von einem Steuerberater prüfen.
Wie sollte man an Investitionen in den Verteidigungssektor herangehen?
Wer gezielt vom europäischen Verteidigungsboom profitieren will, kommt an den kontinentalen Herstellern nicht vorbei. Rheinmetall ist dabei die aggressive Wette, BAE Systems und Leonardo bieten ein ausgewogeneres Verhältnis von Chance und Risiko. Saab ist vor allem wegen der Veränderungen in Nordeuropa interessant.
Wer außerhalb Europas streuen möchte, findet in Lockheed Martin die konservative Variante mit verlässlicher Dividende. Colt CZ Group ist die kleine, bewegliche Position, die europäisches Know-how mit einem starken US-Standbein verbindet.
Angesichts der hohen Bewertungen im gesamten Sektor halten wir gestaffelte Käufe über mehrere Monate für sinnvoller als einen einzelnen großen Einstieg. Die Unterschiede zwischen beiden Wegen haben wir im Vergleich von regelmäßigem Investieren und Einmalanlage aufgeschrieben.
Was Sie mitbringen müssen, ist Geduld. Der strukturelle Trend trägt mehrere Jahre, aber der Weg dorthin verläuft nicht gerade. Nach Kursgewinnen dieser Größenordnung sind Korrekturen von dreißig Prozent und mehr keine Ausnahme, sondern der Normalfall.
Und noch etwas. Ein einzelner Sektor gehört nie allein in ein Depot, egal wie überzeugend die Geschichte klingt. Wie sich eine sinnvolle Aufteilung bauen lässt, beschreiben wir im Text über Sektorinvestments.
Unser Vorgehen im eigenen Depot sähe so aus: den Sektor auf einen einstelligen Prozentsatz des Gesamtvermögens begrenzen, über zwei bis drei Titel oder einen Fonds streuen und in Tranchen einsteigen. Wenn Sie erst anfangen, finden Sie die Grundlagen im Leitfaden Investieren für Anfänger. Einen passenden Anbieter finden Sie im Vergleich von Brokern.
Häufige Fragen zu Rüstungsaktien
Ist der Aufschwung im Verteidigungssektor schon vorbei
Der Nachholbedarf europäischer Armeen ist über ein Jahrzehnt angelegt, die Kursgewinne der Aktien liegen dagegen schon hinter uns. Beides gleichzeitig kann stimmen. Wer heute einsteigt, kauft ein Geschäft mit guter Auftragslage zu einem Preis, der viel davon bereits enthält.
Aktie oder Fonds, was ist für Einsteiger besser
Für den ersten Schritt halten wir einen Fonds für sinnvoller. Sie streuen über mehrere Hersteller und Länder und müssen nicht entscheiden, welcher Konzern die nächste Ausschreibung gewinnt. Einzelaktien lohnen sich, wenn Sie eine konkrete Meinung zu einem Unternehmen haben.
Warum steigen europäische Rüstungswerte stärker als amerikanische
Weil sie von einem viel niedrigeren Niveau kommen. Amerikanische Konzerne waren schon vor 2022 gut ausgelastet und entsprechend bewertet. Die europäischen Hersteller mussten dagegen erst Kapazitäten aufbauen, und genau dieser Sprung spiegelt sich in den Kursen.
Wie finde ich den richtigen Verteidigungs-ETF
Über die ISIN und den vollständigen Fondsnamen, nie über das Kürzel allein. Achten Sie danach auf drei Dinge: welchen Index der Fonds abbildet, wie hoch die laufenden Kosten sind und ob er die Erträge ausschüttet oder wieder anlegt.
Wie viel Depotanteil ist für diesen Sektor sinnvoll
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, hier kommt es auf Ihren Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft an. Als grobe Orientierung würden wir einen einzelnen Sektor nicht über zehn Prozent des Depots hinauswachsen lassen.
Kann ich Rüstungsaktien auch als CFD handeln
Technisch ja, sinnvoll ist es für langfristige Anleger nicht. CFDs sind Hebelprodukte für kurze Zeiträume und verursachen laufende Finanzierungskosten. Wer auf eine Entwicklung über Jahre setzt, kauft die Aktie oder den Fonds.
Was passiert mit diesen Aktien bei einem Waffenstillstand
Kurzfristig wären deutliche Kursrücksetzer wahrscheinlich, weil ein Teil der Fantasie aus den Kursen ginge. Die beschlossenen Beschaffungsprogramme laufen aber über Jahre und werden nicht mit einer Unterschrift gestoppt. Mit Sicherheit lässt sich das nicht beurteilen, aber ein sofortiger Nachfrageeinbruch wäre eher unwahrscheinlich.
