Forex für Einsteiger: Grundlagen des Börsenhandels – Teil 1
Forex ist der größte Finanzmarkt der Welt und zugleich einer der am schwersten zugänglichen für Einsteiger. Hier finden Sie die Grundlagen an einem Ort: was Forex überhaupt ist, wie und wo gehandelt wird, ob sich das für Sie lohnt und alle wichtigen Begriffe von Hebel über Lot bis Margin. Dazu ein Beispiel für den Handel aus der Praxis und Verweise auf die weiterführenden Beiträge.
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Eine geprüfte Forex Strategie – Anwendbar für Aktien und Kryptowährungen
Was ist Forex?
Forex ist der Markt für ausländische Währungen. Der Name kommt aus dem Englischen, von „foreign exchange“. Gehandelt wird dort täglich ein Volumen von mehreren Billionen US-Dollar, damit ist es der mit Abstand umsatzstärkste Finanzmarkt überhaupt.
Wir verzichten bewusst auf eine genaue Zahl. Der Umsatz wird nur alle drei Jahre erhoben, und zwischen zwei Erhebungen verschiebt er sich deutlich. Sicher ist nur, dass er über die Jahre stetig gewachsen ist.
Am Markt sind drei Gruppen aktiv: Unternehmen, die Währungen für ihr operatives Geschäft brauchen, Zentralbanken und Regierungen, sowie Spekulanten. Der überwiegende Teil des Umsatzes entfällt auf die dritte Gruppe. Diese Händler wollen keine Währung besitzen, sie wollen an der Kursbewegung verdienen.
Der Forex-Markt ist an fünf Tagen der Woche rund um die Uhr geöffnet. Er startet am Sonntagabend mit der Sitzung in Sydney und schließt am Freitagabend in New York. An den Wochenenden findet kein Handel statt.
Währungspaare
Währungspaare sind die Grundlage jedes Forex-Geschäfts. Wie sie funktionieren, sollten Sie wissen, bevor Sie irgendetwas anderes anfassen.
Ein Währungspaar sagt Ihnen, wie viel Sie von der zweiten Währung für eine Einheit der ersten bekommen. Zum Beispiel EUR/USD oder GBP/USD. Steht EUR/USD bei 1,10, dann kaufen Sie für 1 Euro 1,10 US-Dollar. Das ähnelt dem Vorgang, Geld in einer Wechselstube zu tauschen.
Die erste Währung heißt Basiswährung, die zweite Kurswährung. Kaufen Sie das Paar, setzen Sie auf eine stärkere Basiswährung. Verkaufen Sie es, setzen Sie auf das Gegenteil. Mehr steckt dahinter zunächst nicht.
Der genannte Kurs ist ein Beispiel und kein aktueller Wert. Wechselkurse bewegen sich fortlaufend, jede feste Zahl in einem Beitrag wie diesem wäre binnen Tagen überholt.
Die am häufigsten gehandelten Währungspaare sind:
- EUR/USD
- USD/JPY
- GBP/USD
Wie man sieht, ist der US-Dollar in allen drei enthalten. Diese Paare nennt man Majors. Für Einsteiger sind sie aus einem sehr praktischen Grund die bessere Wahl: Je mehr gehandelt wird, desto enger ist der Spread und desto weniger kostet Sie jedes einzelne Geschäft.
Exotische Paare locken dagegen mit größeren Bewegungen. Sie kosten aber auch ein Vielfaches an Spread und laufen in ruhigen Stunden schon mal sprunghaft. Das hat uns anfangs mehr Geld gekostet als jeder Fehleinstieg.
Wo werden Währungspaare gehandelt?
Hier hält sich ein Missverständnis hartnäckig. Es gibt keine zentrale Devisenbörse, an der Währungen wie Aktien an einem Ort zusammenlaufen. Forex ist ein außerbörslicher Markt, gehandelt wird direkt zwischen Banken, Brokern und anderen Teilnehmern über ein weltweites Netz.
Trotzdem hat der Handel einen Rhythmus, und der folgt den Öffnungszeiten der großen Finanzplätze. Die wichtigsten sind London, New York, Sydney und Tokio. An Werktagen ist deshalb praktisch immer irgendwo Betrieb.
Interessant sind vor allem die Überschneidungen. Wenn London und New York gleichzeitig arbeiten, ist das Handelsvolumen am höchsten und die Spreads sind am engsten. In der ruhigen Phase zwischen dem Schluss in New York und der Eröffnung in Tokio ist es genau umgekehrt.
Zugang zu diesem Markt bekommen Sie als Privatperson nur über einen Vermittler, den Broker. Ein Broker ist ein Unternehmen, das Ihnen den Handel ermöglicht und Ihnen dafür eine eigene Handelsplattform bereitstellt. Bezahlt wird er meist über den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis.
Welcher Broker zu Ihnen passt, hängt weniger vom Marketing ab als von Regulierung, Kosten und der Frage, was Sie überhaupt handeln wollen. Wir haben dazu einen eigenen Vergleich von Brokern und eine Übersicht der besten CFD-Broker für Einsteiger. Wie wir dabei vorgehen, steht in unserer Bewertungsmethodik.
OTC steht für „over the counter“ und bezeichnet Geschäfte, die nicht über eine Börse laufen, sondern direkt zwischen zwei Parteien. Für Sie hat das zwei Folgen. Erstens gibt es keinen einzigen amtlichen Kurs, jeder Broker stellt seinen eigenen, und die Unterschiede sind klein, aber vorhanden. Zweitens ist Ihr Vertragspartner der Broker selbst, weshalb dessen Regulierung und Einlagensicherung eine größere Rolle spielen als bei einem Börsengeschäft.
Wie funktioniert der Forex-Handel?
Das Prinzip ist einfach. Sie tauschen eine Währung gegen eine andere und wollen daran verdienen, dass Sie die künftige Kursrichtung richtig einschätzen.
Sie kaufen, wenn Sie steigende Kurse erwarten. Sie verkaufen, wenn Sie fallende erwarten. Der zweite Fall ist der Punkt, an dem viele Einsteiger stutzen: Über CFDs können Sie auch auf fallende Kurse setzen, ohne die Währung vorher zu besitzen.
Die Kursentwicklung ist nicht rein zufällig und lässt sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einschätzen. Dafür gibt es verschiedene Strategien, dazu kommen wir gleich. Sehen wir uns zuerst an, wie ein Geschäft praktisch abläuft.
Beispiel für einen Handel aus der Praxis
Das folgende Beispiel stammt aus der Handelsplattform eines CFD-Brokers. Ein Testkonto ist bei den meisten Anbietern in wenigen Minuten eröffnet, üblicherweise genügen E-Mail, Telefonnummer und ein Passwort. Danach können Sie die Plattform unverbindlich ausprobieren.
In der Praxis halten Sie sich an feste Regeln, wann Sie ein Geschäft eröffnen. Damit wollen wir Sie an dieser Stelle noch nicht belasten. Es geht hier nur darum, wie ein Geschäft überhaupt geöffnet und wieder geschlossen wird.
1. Richten Sie die Indikatoren ein, die Sie bei der Bestimmung des Einstiegszeitpunkts unterstützen
Indikatoren sind mathematische Berechnungen, die in das Kursdiagramm gezeichnet werden. Wie sie im Detail gerechnet werden, ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist, dass sie dem Händler helfen, das Marktverhalten anhand historischer Daten einzuordnen.
Interessanter Fakt: Im folgenden Beispiel arbeiten wir mit den Bollinger-Bändern. Zu ihnen sollte man wissen, dass ein Kurs rund 95 Prozent der Zeit innerhalb des Bandes bleibt. Gehandelt wird dann in der Regel die Rückkehr des Kurses von einem der äußeren Bänder in Richtung Mitte.
2. Sie entscheiden, ein Geschäft basierend auf dem vorher ausgewählten Signal zu eröffnen
Erreicht der Kurs eines der äußeren Bollinger-Bänder, kann das ein Signal sein. Gehandelt wird dann meist auf eine Umkehr.
- Wenn Sie fallende Kurse erwarten, verkaufen Sie (Schaltfläche „VERKAUFEN“).
- Wenn Sie steigende Kurse erwarten, kaufen Sie (Schaltfläche „KAUFEN“).
Im Beispiel eröffnen wir ein Kaufgeschäft, wir erwarten also einen steigenden Kurs. Mehr steckt in diesem Schritt nicht, die eigentliche Arbeit liegt in der Regel davor und im nächsten Schritt.
3. Sie setzen die Grenzen für das Schließen des Geschäfts
Geschäfte können Sie manuell schließen oder Sie richten das automatische Schließen bei einem bestimmten Kursniveau ein. Die zweite Variante ist für Einsteiger fast immer die bessere.
Im Beispielgeschäft setzen wir die beiden Grenzen bei 1,36421 und 1,37300. Sobald der Kurs einen dieser Werte erreicht, wird das Geschäft geschlossen. Bei 1,37300 mit Gewinn, bei 1,36421 mit Verlust.
Die Grenzen lassen sich verändern, solange das Geschäft läuft. Das Take-Profit-Niveau legen wir innerhalb der Bollinger-Bänder fest, weil der Kurs dort den größten Teil der Zeit verbringt. Das Stop-Loss-Niveau setzen wir knapp außerhalb.
Ausreißer gibt es trotzdem. Nach unerwarteten Nachrichten springt ein Kurs gelegentlich über beide Marken hinweg, und dann greift der Stop-Loss erst zum nächsten handelbaren Kurs. Das kennt jeder, der länger dabei ist.
Nach dem Eröffnen des Geschäfts
Unmittelbar nach dem Eröffnen steht ein Geschäft fast immer leicht im Minus. Das ist kein Grund zur Sorge und niemand nimmt Ihnen etwas weg. Der Markt kennt zwei Preise, einen für Kauf und einen für Verkauf. Die Differenz dazwischen heißt Spread.
Im Spread steckt die Vergütung des Brokers. Deshalb lohnt sich der Blick auf die Kosten, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden. Hohe Spreads schmälern Ihre Gewinne und vergrößern Ihre Verluste, und zwar bei jedem einzelnen Geschäft.
Die Ergebnisse
An dieser Stelle könnten wir Ihnen nun vorrechnen, wie gewinnbringend das Beispielgeschäft gelaufen ist. Wir machen es nicht, denn das Ergebnis eines einzelnen Geschäfts sagt schlicht nichts aus.
Entscheidend ist, ob Sie über hundert Geschäfte hinweg im Plus liegen und ob Sie sich dabei an Ihre Handelsstrategie und Ihre Regeln zur Geldverwaltung gehalten haben. Alles andere ist Zufall, in beide Richtungen.
Wie bestimme ich, ob der Kurs steigen oder fallen wird?
Der künftige Kurs lässt sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einschätzen, aber niemals mit Sicherheit. Wer Ihnen eine Trefferquote von 90 Prozent verspricht, verkauft Ihnen ein Produkt und keine Methode.
Grob gibt es zwei Herangehensweisen. Die fundamentale Analyse schaut auf Wirtschaftsdaten: Zinssätze der Zentralbanken, Inflation, Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt, politische Ereignisse. Die technische Analyse schaut ausschließlich auf den Chart und arbeitet mit historischen Kursen, Indikatoren und Formationen.
Für Einsteiger ist die technische Analyse der leichtere Einstieg, weil sie ohne Vorwissen über Volkswirtschaft auskommt. Wirklich unabhängig von Nachrichten sind Sie damit allerdings nicht. Eine Zinsentscheidung bewegt den Kurs auch dann, wenn Sie sie nicht verfolgen.
Wie ein konkretes Regelwerk aussieht, zeigen wir ausführlich in unserem Beitrag über eine geprüfte Forex Strategie. Dort finden Sie Einstiegsregeln, Ausstiegsregeln und die dazugehörige Rechnung.
Wie viel kann ich verdienen und wie hoch ist das Risiko?
Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort, auch wenn sie unbequem ist. Nach oben ist der mögliche Gewinn theoretisch offen. Nach unten steht dem eine Statistik gegenüber, die Broker in der EU verpflichtend ausweisen müssen: Bei den meisten Anbietern verliert die deutliche Mehrheit der Privatanlegerkonten beim CFD-Handel Geld.
Beides ist wahr. Es gibt Händler, die mit Währungen sehr viel verdient haben, George Soros, Bill Lipschutz oder Stanley Druckenmiller werden dabei gern genannt. Das sind Ausnahmen, und sie arbeiteten mit Kapital, Informationen und Handelsinfrastruktur, die einem Privatanleger nicht zur Verfügung stehen.
Realistischer ist ein anderer Blick. Forex ist eine Fähigkeit, die man über Monate lernt, nicht über ein Wochenende. In der Lernphase kostet sie Geld. Wer das einkalkuliert und mit kleinen Beträgen anfängt, hat die deutlich bessere Ausgangslage als jemand, der mit großen Erwartungen einsteigt.
Das Risiko lässt sich begrenzen. Konsequente Geldverwaltung, ein fester Stop-Loss bei jedem Geschäft und das Testen neuer Regeln auf einem Demokonto sind dabei die wirksamsten Mittel. Sie sind unspektakulär, deshalb werden sie so oft übersprungen.
Der Handel mit gehebelten CFDs auf Währungen ist mit hohem Risiko verbunden. Sie können Ihren Einsatz vollständig verlieren. Handeln Sie niemals mit Geld, das Sie für Miete, Rücklagen oder laufende Verpflichtungen brauchen, und beginnen Sie auf einem Demokonto.
Wenn Sie über den Devisenhandel hinausdenken, ist Forex ohnehin nur ein Baustein. Für den grundsätzlichen Aufbau eines Portfolios haben wir einen eigenen Leitfaden zum Investieren für Anfänger, und in der Bildungsakademie finden Sie die Themen der Reihe nach sortiert.
Setzen Sie sich für die ersten drei Monate ein anderes Ziel als Gewinn. Nehmen Sie sich vor, hundert Geschäfte lang Ihre eigenen Regeln nicht zu brechen. Wenn Ihnen das gelingt, haben Sie den schwierigsten Teil hinter sich. Bei uns hat genau dieser Vorsatz mehr gebracht als jeder zusätzliche Indikator.
Was bedeutet CFD?
CFD ist die Abkürzung für Contract for Difference, auf Deutsch Differenzkontrakt. Es ist eine Vereinbarung zwischen Broker und Händler über die Kursdifferenz eines Basiswerts. Als Basiswert dient ein Währungspaar, aber auch Kryptowährungen, Indizes, Aktien und Rohstoffe sind möglich.
Sie besitzen den Wert dabei nicht. Sie setzen nur auf seine Kursentwicklung. Das ist der zentrale Unterschied zum Kauf einer echten Aktie, und er hat Folgen für Dividenden, Stimmrechte, Haltedauer und Kosten.
Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag Was sind CFDs und wie funktionieren sie. Der direkte Vergleich mit echten Wertpapieren steht unter CFD-Aktien vs. echte Aktien.
Grundlegende Begriffe zu Forex – gut zu wissen
1. Hebel (Hebeleffekt)
Devisen werden mit sogenanntem Hebel gehandelt. Der Hebel erlaubt Ihnen, ein Volumen zu bewegen, das Sie gar nicht besitzen. Angegeben wird er als Verhältnis, etwa 1:10. Das heißt, für jede eigene Einheit verfügen Sie über zehn. Die Differenz stellt der Broker.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Er vergrößert Ihre Gewinne und Ihre Verluste im exakt gleichen Verhältnis. Das wird in der Werbung selten so deutlich gesagt.
Praxisbeispiel*
Ihr Hebel steht auf 1:100, Sie handeln EUR/USD und wollen 100.000 Euro gegen Dollar kaufen. Ohne Hebel bräuchten Sie bei einem Kurs von 1,0616 dafür 106.160 USD auf dem Konto (100.000 mal Kurs). Mit dem Hebel von 1:100 genügen „nur“ 1.061,60 USD, um das Geschäft auszuführen.
Sie kaufen also 100.000 Euro zum Kurs von 1,0616 und verkaufen anschließend zu 1,0626. Ihr Ergebnis: (1,0626 minus 1,0616) mal 100.000, also 0,0010 mal 100.000 gleich 100 USD.
Sie können auch deutlich kleinere Volumen handeln. Die meisten Broker erlauben sogenannte Micro-Lots über 1.000 Einheiten. Bei einem Hebel von 1:100 binden diese 1.000 Einheiten nur 10 Einheiten Ihres eigenen Kapitals. Das verringert die möglichen Verluste, aber eben auch die Gewinne.
* Die Hebelgrößen sind für Privatanleger gesetzlich begrenzt. In der Europäischen Union liegt die Obergrenze für die wichtigsten Währungspaare bei 1:30. Die Werte 1:100 und 1:200 dienen in den Rechenbeispielen nur der einfacheren Darstellung.
Die Begrenzung auf 1:30 gilt in der EU für Privatanleger und wurde eingeführt, weil zu viele Konten in kurzer Zeit vollständig aufgezehrt wurden. Wie sich der Hebel im Detail auf Margin und Verlustrisiko auswirkt, rechnen wir in unserem Beitrag zum Hebel bei CFDs Schritt für Schritt durch.
2. Lots
Ein Lot ist die Standardeinheit für den Forex-Handel. Weil mit Hebel gehandelt wird, können Sie auch ein Volumen von einem Lot bewegen, ohne den vollen Betrag zu besitzen.
1 Lot = 100.000 Einheiten der Basiswährung
Lots lassen sich unterteilen, siehe Tabelle.
| Lotgröße | Definition | Gegenwert in Einheiten der Basiswährung |
|---|---|---|
| 1 | Standard-Lot | 100.000 |
| 0,1 | Mini-Lot | 10.000 |
| 0,01 | Micro-Lot | 1.000 |
Beispiel für die praktische Anwendung:
Würden Sie 1 Lot EUR/USD ohne Hebel kaufen, kostet Sie das 100.000 mal Kurs. Bei einem Kurs von 1,12692 wären das 112.692 USD.
Bei einem Hebel von 1:200* kostet ein Lot 100.000 mal Kurs geteilt durch den Hebel, also 100.000 mal 1,12692 geteilt durch 200 gleich 563,46 USD. Ein Mini-Lot entspricht dann 56,35 USD und ein Micro-Lot 5,63 USD.
Läuft Ihr Geschäft über zwei Tage, bewegt sich EUR/USD in dieser Zeit erfahrungsgemäß um einige Dutzend Pips. Nehmen wir 70 Pips an. Bei 1 Lot bedeutet das 100.000 mal 0,0070 gleich 700 USD Gewinn oder Verlust, bei 1 Mini-Lot 70 USD und bei 1 Micro-Lot 7 USD.
Genau hier liegt der Punkt, den Einsteiger unterschätzen. Nicht die Kursbewegung entscheidet über Ihr Risiko, sondern die Lotgröße, die Sie wählen. Dieselbe Bewegung kostet Sie 7 oder 700 USD, je nachdem.
* Die Hebelgrößen sind für Privatanleger gesetzlich begrenzt, in der Europäischen Union auf 1:30 für die wichtigsten Währungspaare.
3. Pips
Ein Pip ist die kleinste übliche Kursänderung eines Währungspaares. Bei den meisten Paaren entspricht ein Pip 0,0001, also der vierten Nachkommastelle. Steigt EUR/USD von 1,1050 auf 1,1051, ist das genau ein Pip.
Pips dienen vor allem dazu, Geschäfte miteinander vergleichbar zu machen. Statt „ich habe 200 Dollar verdient“ sagt man „ich habe 20 Pips verdient“, denn der Dollarbetrag hängt ja allein von der Lotgröße ab.
Ein Rechenbeispiel: Sie kaufen 1 Lot und verdienen 20 Pips. Das sind 0,0020 mal 100.000 gleich 200 USD. Bei einem Micro-Lot wären es bei derselben Bewegung 2 USD.
Bei Währungspaaren mit dem japanischen Yen wird anders gerechnet. Dort liegt ein Pip an der zweiten Nachkommastelle, weil der Kurs selbst eine ganz andere Größenordnung hat.
Vergleichen Sie zwei Broker anhand des Spreads statt anhand der Werbung. Broker A verlangt 0,8 Pip auf EUR/USD, Broker B 1,6 Pip. Klingt nach wenig. Bei 1 Lot sind das 8 USD gegenüber 16 USD pro Geschäft. Wer täglich fünf Geschäfte macht, zahlt bei Broker B im Jahr rund 10.000 USD mehr an Handelskosten, ohne dafür irgendetwas zu bekommen.
4. Spread
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Liegt der Kaufpreis (BUY) für EUR/USD bei 1,0632 und der Verkaufspreis (SELL) bei 1,0631, beträgt der Spread 1,0632 minus 1,0631 gleich 0,0001, also 1 Pip.
Die Höhe des Spreads hängt von zwei Dingen ab: vom aktuellen Angebot und der Nachfrage am Markt sowie vom Aufschlag des Brokers. Manche Broker geben den Marktspread nahezu unverändert weiter und berechnen stattdessen eine feste Kommission. Andere schlagen ihre Vergütung direkt auf den Spread auf.
Beide Modelle sind legitim, sie sind nur unterschiedlich transparent. Welches für Sie günstiger ist, hängt davon ab, wie oft und in welcher Größe Sie handeln. Die Unterschiede zwischen den Brokermodellen erklären wir unter ECN, STP und MM Broker.
Ein Detail noch. Der Spread ist nicht konstant. Rund um wichtige Wirtschaftsdaten und in den ruhigen Nachtstunden weitet er sich teilweise erheblich aus, und genau dann werden Stop-Loss-Orders ausgelöst, die sonst nie ausgelöst worden wären.
5. Stop-Loss, Take-Profit
Stop-Loss (SL) und Take-Profit (TP) sind Kursgrenzen, die Sie vorab festlegen.
Erreicht der Kurs den Stop-Loss, wird das Geschäft mit Verlust geschlossen. Erreicht er den Take-Profit, wird es mit Gewinn geschlossen. Beides passiert automatisch, auch wenn Sie gerade nicht am Rechner sitzen.
Der Stop-Loss ist das wichtigste Werkzeug im ganzen Beitrag. Er begrenzt, was ein einzelnes Geschäft Sie höchstens kosten darf, und nimmt Ihnen die Entscheidung in dem Moment ab, in dem Sie am schlechtesten entscheiden.
6. Margin
Die Margin ist der Betrag, den der Broker auf Ihrem Konto als Sicherheit für mögliche Verluste sperrt. Ihre Höhe hängt vom Hebel und vom Kurs des gehandelten Währungspaares ab.
Vereinfacht gesagt: Volumen mal Kurs geteilt durch den Hebel. Bei 1 Lot EUR/USD, einem Kurs von 1,10 und einem Hebel von 1:30 wären das rund 3.667 USD. Die Formel müssen Sie nicht auswendig können, jede Handelsplattform zeigt Ihnen die Margin vor dem Öffnen der Position an.
Wichtiger als die Formel ist der Margin Call. Reicht Ihr freies Kapital nicht mehr, um die laufenden Verluste zu decken, schließt der Broker Positionen automatisch. In der EU greift zusätzlich der Schutz vor Nachschusspflicht, Sie können also nicht mehr verlieren, als auf dem Konto liegt.
Rechnen Sie deshalb nie mit der maximal möglichen Positionsgröße. Wer die Margin voll ausreizt, wird schon von einer normalen Gegenbewegung aus dem Markt geworfen.
7. Indikatoren und Formationen
Indikatoren und Formationen helfen dem Händler dabei, mögliche Einstiegspunkte zu erkennen. Ein Signal ist keine Gewissheit, sondern nur eine Wahrscheinlichkeitsaussage.
Indikatoren
Indikatoren sind mathematische Berechnungen, die in das Kursdiagramm gezeichnet werden. Die meisten hängen nur von vergangenen Kursen und der Zeit ab, einige beziehen zusätzlich das Handelsvolumen ein.
Die Auswahl ist groß. Zu den am häufigsten genutzten gehören Unterstützung und Widerstand, gleitende Durchschnitte, die Bollinger-Bänder und der Stochastik-Oszillator. Wie man die Bollinger-Bänder konkret in ein Regelwerk einbaut, zeigen wir in der geprüften Forex Strategie.
Ein Rat aus eigener Erfahrung: Mehr Indikatoren führen nicht zu besseren Entscheidungen. Zwei, die sich sinnvoll ergänzen, sind besser als sechs, die sich gegenseitig widersprechen.
Formationen
Formationen sind Muster, die im Kursdiagramm entstehen. Häufig dienen sie als letztes Bestätigungssignal für die Eröffnung eines Geschäfts, etwa der Hammer oder der Shooting Star.
Verlassen Sie sich nicht allein darauf. Eine Formation ist rückblickend immer eindeutig zu erkennen, im laufenden Chart dagegen selten.
Steuern auf Gewinne aus dem Devisenhandel
Gewinne aus dem Handel mit Währungen und CFDs zählen in Deutschland zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Auf sie fällt die Abgeltungsteuer an, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Ein Teil der Erträge bleibt über den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei, sofern Sie einen Freistellungsauftrag erteilt haben.
Entscheidend ist, wo Ihr Broker sitzt. Deutsche Anbieter führen die Steuer in der Regel direkt ab. Bei einem Broker mit Sitz im europäischen Ausland geschieht das meist nicht, dann müssen Sie die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben.
Die Verrechnung von Verlusten aus Termingeschäften war in den vergangenen Jahren mehrfach Gegenstand von Gesetzesänderungen. Wir nennen hier bewusst keine Beträge und keine Fristen, weil sich diese Regeln schneller ändern, als ein Beitrag aktualisiert wird.
Was in jedem Fall hilft: Führen Sie eine vollständige Aufstellung aller Geschäfte eines Jahres. Broker stellen dafür Jahressteuerbescheinigungen oder wenigstens Kontoauszüge bereit, und ohne diese Unterlagen wird die Erklärung unnötig mühsam.
Diese Angaben sind eine allgemeine Orientierung und ersetzen keine steuerliche Beratung. Steuersätze, Freibeträge und Verrechnungsregeln ändern sich und hängen von Ihrer persönlichen Situation ab. Lassen Sie Ihren konkreten Fall unbedingt von einem Steuerberater prüfen.
Wie es von hier aus weitergeht
Forex ist ein Einstiegspunkt, kein Endziel. Wenn Sie die Begriffe oben verstanden haben, ist der sinnvollste nächste Schritt, sich ein festes Regelwerk anzusehen und es auf einem Demokonto durchzuspielen.
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Häufige Fragen zum Forex-Handel
Wie viel Geld brauche ich für den Anfang?
Weniger, als die meisten denken. Über Micro-Lots lassen sich schon sehr kleine Volumen handeln, und die Mindesteinzahlungen liegen bei vielen Brokern im niedrigen zweistelligen Bereich. Die wichtigere Frage ist nicht, wie viel Sie einzahlen können, sondern wie viel Sie pro Geschäft riskieren wollen.
Ist Forex-Handel Glücksspiel?
Ohne Regeln praktisch ja. Mit einem festen Regelwerk, einem Stop-Loss bei jedem Geschäft und einer klaren Positionsgröße wird daraus eine Tätigkeit mit kalkulierbarem Risiko. Der Unterschied liegt nicht im Markt, sondern im Vorgehen.
Wann ist die beste Zeit zum Handeln?
Die Stunden, in denen sich die Sitzungen in London und New York überschneiden, bringen das höchste Volumen und die engsten Spreads. Für die Majors ist das erfahrungsgemäß das beste Zeitfenster. In den ruhigen Nachtstunden ist der Handel teurer und sprunghafter.
Kann ich mit Forex meinen Lebensunterhalt bestreiten?
Theoretisch ja, praktisch schaffen es sehr wenige. Wer es versucht, braucht ausreichend Kapital, damit ein einzelnes Geschäft nicht existenziell wird, mehrere Jahre nachweisbarer Ergebnisse und eine finanzielle Rücklage außerhalb des Handelskontos. Als Nebeneinkommen ist der Einstieg deutlich realistischer.
Was ist der Unterschied zwischen Forex und CFD?
Forex bezeichnet den Markt, CFD das Instrument. Als Privatanleger handeln Sie Währungen fast immer über CFDs auf Währungspaare, besitzen die Devisen also nicht wirklich. Das ist der übliche Weg, aber eben nicht der einzige.
Brauche ich für Forex einen deutschen Broker?
Nicht zwingend. Wichtig ist eine Regulierung innerhalb der EU, denn daran hängen der Schutz vor Nachschusspflicht, die Hebelgrenze und die Einlagensicherung. Ein deutscher Sitz vereinfacht allerdings die Steuer, weil die Abgeltungsteuer dann meist direkt abgeführt wird.
Wie lange sollte ich auf einem Demokonto üben?
So lange, bis Sie hundert Geschäfte nach Ihren eigenen Regeln abgeschlossen haben, ohne diese unterwegs zu ändern. Das dauert je nach Zeitrahmen einige Wochen bis wenige Monate. Ein reiner Kalenderwert hilft weniger als diese Zahl.
