Eine Vorbemerkung zum Timing. Zum Zeitpunkt der Aktualisierung dieses Artikels (Sommer 2026) sind die Ölpreise hoch und stark schwankend. Auf den Markt drücken die Spannungen im Nahen Osten, Angriffe auf Tanker vor Saudi-Arabien und der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Im Preis steckt damit eine geopolitische Prämie, also ein Aufschlag für das Risiko von Lieferausfällen. Die Lage ändert sich von Tag zu Tag. Nehmen Sie konkrete Zahlen in diesem Text deshalb als groben Anhaltspunkt und nicht als Kursziel.
ExxonMobil
ExxonMobil (Ticker XOM) hat seinen Sitz im US-Bundesstaat Texas und gehört zu den größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Entstanden ist das Unternehmen 1999 aus der Fusion von Exxon Corporation und Mobil Corporation. Damals taten sich zwei ohnehin schon große Konzerne zusammen.
ExxonMobil deckt die ganze Kette ab: Exploration, Förderung, Raffination und Vertrieb von Öl und Erdgas. Dazu kommen petrochemische Produkte. Bekannt ist der Konzern für seine globale Reichweite und für technisch anspruchsvolle Projekte. Gehandelt wird die Aktie unter anderem an der New Yorker Börse (NYSE).
Nach Marktkapitalisierung zählt ExxonMobil zu den größten Unternehmen überhaupt und taucht regelmäßig weit oben in der Fortune-500-Liste auf, also unter den 500 umsatzstärksten Unternehmen der USA. Auch bei der Förderung spielt der Konzern in der ersten Liga. Die Tagesproduktion bewegt sich seit Jahren in der Größenordnung von Millionen Barrel Öläquivalent. Eine einzelne Jahreszahl sagt hier wenig aus, weil sich das Projektportfolio laufend verschiebt.
Mitte 2026 notierte die XOM-Aktie bei rund 148 US-Dollar. Das ist eine Momentaufnahme aus dem Mai 2026, kein aktueller Kurs.
Öl- und Gaskonzerne fördern nicht nur Öl, sondern auch Erdgas. Damit sich beide Mengen addieren lassen, rechnen sie das Gas in die Energiemenge um, die in einem Barrel Öl steckt. Ein Barrel entspricht knapp 159 Litern. Wenn ein Konzern also von Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag spricht, meint er Öl und Gas zusammen. Beim Vergleich zweier Unternehmen lohnt deshalb der Blick darauf, wie viel davon tatsächlich Öl ist.
Shell
Shell plc (Ticker SHEL) hieß früher Royal Dutch Shell. Den längeren Namen hat der Konzern abgelegt, heute firmiert er nur noch als Shell. Wenn Ihnen in älteren Texten oder in einem Depotauszug noch „Royal Dutch Shell“ begegnet, ist dasselbe Unternehmen gemeint. Gegründet wurde es 1907 durch den Zusammenschluss der niederländischen Royal Dutch Petroleum Company mit der britischen Shell Transport and Trading Company.
Beim Volumen lohnt sich der Blick auf zwei Zahlen. Die reine Öl- und Gasförderung, der sogenannte Upstream-Bereich, lag im ersten Quartal 2026 bei rund 909.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Die Gruppe insgesamt kommt auf etwa 2,7 bis 2,8 Millionen Barrel Öläquivalent täglich. Der Unterschied erklärt sich durch Gas, Chemie und das Handelsgeschäft, die bei Shell traditionell viel Gewicht haben.
In den letzten Jahren investiert Shell zusätzlich in erneuerbare Energien, vor allem in Wind- und Solarprojekte. Die Aktie wird an mehreren wichtigen Börsen gehandelt, unter anderem in London, Amsterdam und New York (NYSE). Mitte 2026 lag der Kurs bei ungefähr 88 US-Dollar.
Zwei Namen sorgen bis heute für Verwirrung. Aus Royal Dutch Shell wurde vor einigen Jahren schlicht Shell, und Total heißt seit 2021 TotalEnergies. Die Unternehmen dahinter sind dieselben geblieben, geändert hat sich nur die Firmierung. In älteren Analysen und in manchen Depotauszügen begegnen Ihnen die alten Namen trotzdem weiterhin.
Chevron
Chevron (Ticker CVX) ist eines der führenden Energieunternehmen der Welt und sitzt im US-Bundesstaat Kalifornien. Die Firmengeschichte reicht bis 1879 zurück, damals gegründet als Pacific Coast Oil Company. Chevron fördert, raffiniert und vertreibt Öl, sucht nach neuen Vorkommen und steckt neben den klassischen fossilen Brennstoffen auch Geld in alternative Energien.
Interessant ist Chevrons Rolle bei der Tiefseeförderung. Im Jahr 2001 nahm der Konzern die Produktion im Ölfeld Tahiti auf, das in sehr tiefen Gewässern des Golfs von Mexiko liegt. Es zählt zu den am schwersten zugänglichen Feldern der Welt. Die Wassertiefe beträgt mehr als 1.200 Meter, die Bohrungen reichen mehr als 7.500 Meter unter den Meeresboden. Dieser Erfolg hat Chevrons Ruf als technischer Vorreiter bei Tiefseeprojekten gefestigt.
BP (British Petroleum)
BP (Ticker BP), ursprünglich British Petroleum, hat seinen Sitz in London und wurde bereits 1909 gegründet. Der erste Firmenname lautete Anglo-Persian Oil Company.
BP steht hinter einer der größten Ölentdeckungen des 20. Jahrhunderts. 1959 stieß das Unternehmen in Alaska auf Ölfelder, konkret in der Prudhoe Bay, dem später größten Ölfeld Nordamerikas. Der Fund trieb die Förderung in der Region voran und prägte die Energiepolitik der Vereinigten Staaten. Prudhoe Bay gehört bis heute zu den produktivsten Ölfeldern weltweit.
TotalEnergies
TotalEnergies (Ticker TTE) ist ein globaler Energiekonzern mit Sitz in Paris, gegründet 1924 als Compagnie française des pétroles (CFP). Die Aktien werden in Paris, London und New York (NYSE) gehandelt. Mitte 2026 kostete das Papier ungefähr 85 US-Dollar, auch das nur als Orientierung.
Ursprünglich hieß das Unternehmen schlicht Total. Die Umbenennung in TotalEnergies wurde 2021 abgeschlossen und spiegelt die Strategie wider, sich stärker in Richtung sauberer Energien zu diversifizieren. Für einen Ölkonzern sind die Ambitionen vergleichsweise weitreichend.
TotalEnergies hat zugesagt, Milliarden Dollar in Solar- und Windkraft, in Speichertechnologien und in die Senkung der CO2-Emissionen zu investieren. Bis 2050 will der Konzern klimaneutral sein, was eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen aus dem eigenen Betrieb und aus den verkauften Produkten voraussetzt. Ob dieser Fahrplan hält, wird sich zeigen. Bei den europäischen Ölkonzernen sind solche Ziele in den vergangenen Jahren schon mehrfach nachjustiert worden.
Warum in Ölunternehmen investieren
Eine Investition in Ölkonzerne kann aus mehreren Gründen attraktiv sein.
Stabile Nachfrage und hohe Eintrittsbarrieren
Erstens sind die Gewinne dieser Unternehmen dank der anhaltenden weltweiten Nachfrage relativ stabil. Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien bleibt Öl eine zentrale Grundlage für Industrie, Verkehr und die Herstellung von Kunststoffen. Die großen Akteure aus diesem Artikel, etwa ExxonMobil oder Shell, verfügen über gewachsene Infrastruktur und jahrzehntelange Branchenerfahrung. Neue Wettbewerber tun sich schwer, in diesen Markt überhaupt hineinzukommen.
Mehr Wandel, als der Ruf vermuten lässt
Zweitens sind die Ölriesen innovativer, als ihr Ruf vermuten lässt. Sie diversifizieren, passen sich veränderten Marktbedingungen an und erschließen sich über Forschung und neue Technologien zusätzliche Einnahmequellen. Wer flexibel bleibt, kann seine Marktposition langfristig verbessern und Anlegern damit auch attraktive Chancen bieten.
Die Dividende als Hauptargument
Drittens die Dividende. Ölkonzerne schütten regelmäßig und vergleichsweise großzügig aus, bei einigen Titeln liegt die Dividendenrendite im Bereich von etwa 5 bis 6 Prozent. Gemessen am breiten US-Aktienmarkt ist das viel. Prüfen Sie die aktuelle Rendite aber immer selbst, denn sie verschiebt sich mit jedem Kursausschlag. Eine hohe Rendite ist außerdem nicht automatisch ein gutes Zeichen, manchmal ist sie schlicht die Folge eines gefallenen Kurses.
Bei Ausschüttungen ausländischer Ölkonzerne behält das Herkunftsland in aller Regel eine Quellensteuer ein, dazu kommt die Besteuerung von Kapitalerträgen in Deutschland. Wie viel davon Sie sich anrechnen lassen oder zurückfordern können, hängt vom jeweiligen Land, von Ihrem Broker und von Ihrer persönlichen Lage ab. Konkrete Sätze nennen wir hier bewusst nicht. Lassen Sie Ihren Fall von einem Steuerberater prüfen.
Was dagegen spricht
Und jetzt die Einschränkung. Beim Blick auf die aktuelle Marktlage ist mir aufgefallen, dass die Ölpreise im Sommer 2026 vor allem von der Geopolitik nach oben getrieben werden, nicht von der Nachfrage. Sobald sich die Spannungen im Nahen Osten legen, kann die geopolitische Prämie schnell aus dem Preis verschwinden und mit ihr die Stimmung rund um Ölaktien. Das ist unser subjektiver Eindruck, aber rechnen Sie mit kurzfristigen Ausschlägen.
Wo Sie Aktien von Ölunternehmen kaufen können
Alle in diesem Artikel genannten Aktien bekommen Sie bei den Online-Brokern eToro und XTB.
Kostenlos ist der Aktienhandel allerdings nur noch teilweise.
| Broker | Kauf und Verkauf von Aktien | Konto |
|---|---|---|
| XTB | bis 100.000 Euro Monatsvolumen ohne Kommission, darüber 0,2 Prozent (mindestens 10 Euro) | Kontoführung kostenlos, Auszahlungen kostenlos |
| eToro | seit März 2025 1 bis 2 US-Dollar pro Transaktion, beim Kauf und noch einmal beim Verkauf | Kontoführung kostenlos, die frühere Inaktivitätsgebühr wurde gestrichen |
Bei kleinen monatlichen Käufen fällt der Fixbetrag von eToro prozentual stärker ins Gewicht als bei einer größeren Einmalanlage. Rechnen Sie das für Ihre eigene Sparrate einmal durch. Dazu kommt: eToro führt die Konten in US-Dollar, bei Ein- und Auszahlungen in Euro spielt also die Währungsumrechnung mit hinein. Wie sich die beiden Anbieter sonst schlagen, haben wir im Vergleich XTB gegen eToro aufgeschrieben.
Rechnen wir eine kleine Sparrate einmal durch. Wer bei eToro für 200 Euro eine Aktie kauft und sie später wieder verkauft, zahlt nach der seit März 2025 geltenden Gebührenordnung zwischen 2 und 4 US-Dollar, einmal beim Kauf und einmal beim Verkauf. Bei einer Order über 5.000 Euro ist derselbe Betrag fällig. Der feste Satz drückt also vor allem bei kleinen Beträgen auf die Rendite. Bei XTB liegt die Schwelle an einer ganz anderen Stelle, dort wird erst oberhalb von 100.000 Euro Monatsumsatz abgerechnet.
Plattform und Registrierung
Bei eToro und XTB stehen Ihnen eine Webplattform und vor allem eine mobile App zur Verfügung. Sie kommen damit von überall an Ihr Konto, es reicht eine Internetverbindung und ein Handy oder Tablet. Die Kurse beliebiger Aktien verfolgen Sie im Konto live und ohne Zusatzkosten.
Falls Sie unsicher sind, wie viel Öl in Ihrem Depot überhaupt Platz haben sollte, hilft vorher ein Blick auf die Aufteilung nach Sektoren.
Bevor Sie den ersten Ölwert ins Depot legen, schauen Sie nach, wie viel Energie darin schon steckt. Wer einen breiten Welt-ETF bespart, hält ExxonMobil, Shell und Chevron längst anteilig. Ein Einzelwert obendrauf erhöht das Klumpenrisiko dann stärker, als die meisten erwarten.
Häufige Fragen zu Ölaktien
Zahlen Ölkonzerne verlässlich Dividenden?
Die großen Konzerne schütten seit Jahrzehnten regelmäßig aus und haben die Zahlung selbst in schwachen Phasen selten ganz gestrichen. Gekürzt wurde sie allerdings schon. Weil die Höhe am Ölpreis hängt, prüfen Sie die aktuelle Ausschüttung immer direkt beim Unternehmen oder in Ihrem Depot.
Einzelne Ölaktie oder lieber ein Fonds auf den Energiesektor?
Ein Fonds verteilt das Risiko über viele Unternehmen und nimmt Ihnen die Auswahl ab. Eine Einzelaktie bietet mehr Chance und mehr Schwankung. Für den Einstieg halten wir den Fonds für den ruhigeren Weg.
Folgen Ölaktien dem Ölpreis eins zu eins?
Nein. Die Richtung stimmt meist, dazwischen stehen aber Förderkosten, Verschuldung, Raffineriemargen und die Ausschüttungspolitik. Es gibt Phasen, in denen Ölkonzerne gut verdienen, obwohl der Rohölpreis nachgibt.
Sind Ölkonzerne wegen der Elektromobilität ein Auslaufmodell?
Auf kurze Sicht nicht. Öl steckt nicht nur im Tank, sondern auch in Kunststoffen, Schmierstoffen, Asphalt und in der Chemie. Wie schnell der Verbrauch langfristig sinkt, ist offen. Wer hier investiert, sollte diese Frage bewusst als unbeantwortet behandeln.
Muss ich Ölaktien in US-Dollar kaufen?
Nicht zwingend. Shell und TotalEnergies werden auch an europäischen Börsen gehandelt. Kaufen Sie die US-Notierung, kommt die Währungsumrechnung hinzu, und der Wechselkurs verändert Ihre Rendite in beide Richtungen.
Wie viel Prozent des Depots sollten Ölaktien ausmachen?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es dafür nicht. Als Faustregel bleiben wir dabei, dass ein einzelner Sektor in einem breit gestreuten Depot selten zweistellig werden sollte. Wie viel für Sie passt, hängt von Anlagehorizont und Risikobereitschaft ab.
Was bedeutet die geopolitische Prämie im Ölpreis?
Damit ist der Aufschlag gemeint, den der Markt für das Risiko von Lieferausfällen zahlt. Beruhigt sich die Lage, verschwindet dieser Aufschlag oft schneller aus dem Preis, als er hineingekommen ist. Auf Ölaktien wirkt das mit etwas Verzögerung, dafür meist deutlich.


